Vienna City of Music

Maria Jeritza – Her Vienna City Apartment

Feb 20, 2017

In 1930 a journalist visits Maria Jeritza at her apartment in the City center of Vienna, at Stallburggasse 2. He takes the following photos:

 

 

 

The following article appeared in the magazine “Die Bühne” in 1930. It is in German. For an English translation please contact me through my translation page.

DIE JERITZA ZU HAUSE

Sie wohnt in keinem prunkvollen Palais, wie es sich etwa amerikanische Reporterphantasie ausmalen könnte. Am großen Nimbus, der ihre Person um umgibt, ­am Ruhm, der beständig um sie ist, an ihrer ganzen illustren Person gemessen, ­wohnt die Jeritza überraschend simpel. Sie hat nicht einmal eine große Villa im Cottage oder in Hietzing, von einem Palais in der Inneren Stadt oder auf der Wieden gar nicht zu reden. Sie wohnt wie andere bürgerliche Menschen in der Stallburggasse, ganz nahe bei der Bundestheaterverwaltung, die einmal k. u. k. Generalintendauz der Hoftheater
war, der spanischen Reitschule, der alten Burg, der Kapuzinergruft und anderer Reliquien des habsburgischen Wien. Sie ist konservativ, ­die Jeritza, auch im Festhalten an ihrem Heim, denn diese Wohnung rührt aus der Zeit her, in der sie noch nicht die Sensation war, in die sich Europa und
Amerika teilen. Das Vorzimmer ist ge gewöhnlich ­voll von Menschen, die irgend etwas von der Jeritza wollen. Sie werden durch Bekannte empfohlen oder versuchen es, Empfehlungen vorzutäuschen. Sie kommen mit Vorwänden oder mit Ausreden, sie haben eine Tochter, die protegiert werden soll oder einen Sohn, sie wollen selber protegiert werden. Oder es geht der Familie schlecht, oder sie kennen die Jeritza
von früher und hoffen, bei ihr Hilfe zu finden. Unmöglich kann Maria Jeritza mit allen selbst sprechen,  persönlich verhandeln, sie hätte
sonst den ganzen Tag nichts anderes zu tun. Es geschieht durch ihr Sekretariat. Nur mit ganz besonderen Anliegen kann man bis zu ihr kommen. Die Jeritza arbeitet nämlich unermüdlich den ganzen Tag. Es braucht nicht eine neue Rolle da zu sein, mit deren Studium sie beschäftigt ist, sie formt auch fortwährend an ihren alten Rollen weiter. Man ist überrascht, sieht man die Jeritza nach längerer Zeit wieder in einer Rolle, die man lange nicht von ihr gehört hat. Sie bringt überraschend viel Neues. Frische Nuancen im Spiel, in der dramatischen Gestaltung, im Psychologischen und auch im Kostüm. Sie arbeitet mit einem Korrepetitor am Klavier die Partien durch, sie probiert neue Kostüme für Amerika, denn Amerika fordert eine ganz andere Aufmachung. Der Raum der Metropolitan, der anderen großen Opernhäuser drüben, verlangt vom Künstler nicht bloß die Wahrheit der Rolle, sondern auch den Effekt der schauspielerischen Aufmachung.

*
Die Jeritza hat in ihren Räumen kein einziges „modernes“ Möbelstück. Sie fühlt sich in alten französischen Stilräumen heimisch, sie liebt den Prunk
dieser Zeit, die heitere Vergoldung, die schönen gewebten Seiden der Louis-quinze- und Louis-seize-Epoche, die edlen Formen des Empire, die prächtigen venezianischen Glasluster, hohe kostbare Teppiche, Gobelins und kostbare Bilder. Au den zwei Wänden ihres Musikzimmers hängt je ein Bild der Jeritza, ein wienerisches mit Alfred Griinfeld am Flügel und davor Maria Jeritza, und eines, das in Amerika von ihr gemalt
wurde. Beide Bilder verkörpern die Jeritza, mit verschiedenen Augen gesehen, gleichsam: österreichisch und amerikanisch. Das wienerische Bild führt ins Graziös-beschwingte, Anmutige der großen Sängerin, das amerikanisch zeigt sie als lichte, verklärte Göttin.

Die Wohnung enthält viele Kostbarkeiten, die man der Jeritza in diversen Weltgegenden, in denen sie ihre Triumphe feierte, dankbar schenkte,
Man sieht kostbare Dosen, Kassetten, wertvolle Rahmen, schöne Bilder, Miniaturen, manch eigenhändige Widmung eines Komponisten, dem die Stimme der Jeritza mit zum Sieg verhalf. Richard Strauß hat ihr die „Ägyptische Helena“ und die „Salome“ eigenhändig gewidmet, Puccini
die „Tosca“ und das „Mädchen aus dem goldenen Westen“. Viel vom Luxus zweier Hemisphären ist in der Wohnung der Jeritza, Erinnerungen an Amerika und besondere große Abende, an Könige und illustre Persönlichkeiten Amerikas und Europas, die heute mindestens so viel sind wie Könige.
Sicherlich wird das Haus in der Stallburggasse Nr. 2 einmal eine Gedenktafel tragen: Hier wohnte Maria Jeritza. Sie ist noch so jung, daß
man das ruhig sagen darf.

 

Source: Austrian National Library, Die Bühne, 1930

 

AUREA.link 2017    All rights reserved.

Related Articles

No Comments

Leave a Reply